Ein gewöhnlicher Tag

Sieben Uhr, mein Wecker klingelt.

»Ähm«, grunze ich und denke, »drück noch mal drauf!«.

Gedacht, getan und sieben Minuten später beginnt das gleiche Spielchen noch einmal. Jetzt ist der Weg zum Wecker noch weiter geworden.

»Ach ja, in diesem breiten Bett bin ich ja alleine!«

Eigentlich nicht ungewöhnlich, so geht es schließlich seit Jahren. Ich müßte daran mal was ändern. Vielleicht komme ich dann doch mal wieder besser aus dem Bett, denke ich und drücke wieder auf den Wecker. So geht es über eine halbe Stunde und dann quäle ich mich langsam hoch. Der erste Gang gilt dem Fenster. Schön es regnet nicht, ich kann mit dem Fahrrad fahren, denke ich. Danach schlurfe ich ins Badezimmer, stolpere über meine Telefonschnüre und verfluche, daß ich daran auch noch nichts geändert habe, schnurstracks auf die Toilette zu. Nach dem der wichtigste Teil des Morgens vollbracht ist, erhebe ich mich mühsam, gehe zum Waschbecken und wasche mich, danach unter die Dusche. Rasieren muß heute wieder ausfallen, keine Zeit. Ich habe zu lange im Bett und auf der Toilette verbracht.

»Scheiße, das Wasser wird auch nicht richtig warm!«, fluche ich halblaut.

Danach anziehen, bloß was, ich war mal wieder zu faul zum Waschen gewesen. Naja, da sind ja noch zwei Hemden und die Unterwäsche reicht auch noch. Zu spät fürs Frühstück. Mal wieder ohne Kaffee ins Büro!

Draussen rauche ich die erste Zigarette, muß husten.

»Rauchzeichenverstehe ich nicht, kannst aber mal anrufen!«, ein älterer Herr sucht eine Unterhaltung.

»Tut mir leid, ich habe kein Telefon! Du mußt schon mit Rauchzeichen Vorlieb nehmen!«, antworte ich.

Jeden Montag bekomme ich von dem Herrn einen neuen Spruch um die Ohren gehauen.

Die Einsamkeit kann im Alter senil machen. Im Winter ist es nicht ganz so schlimm, aber wenn es Frühling wird, dann trifft man am Tag ein Dutzend solcher Leute in Hamburg. Meistens denke ich dann, hoffentlich werde ich nicht auch mal so! Menschen, die schreiend durch die Strassen gehen, sind schon ein trauriger Anblick. Es sind die Momente im Leben, in denen ich denke, ich muß bald die Großstadt verlassen. Sie sind ja harmlos! U-Bahnstation erreicht. Die Bahn fährt natürlich gerade ab. Also in die nächste.

Oh, da sitzt ja eine hübsche Frau. Bin aber zu müde zum Flirten, außerdem dieser verächtliche Blick sagt alles! Also U-Bahnfernsehen schauen! Das ist vielleicht eine blöde Erfindung. Jetzt wird man schon mit Werbung und Schwachsinn am frühen Morgen belästigt. Die Sinneseindrücke nehmen kein Ende. Ich bin richtig erledigt, wenn ich die U-Bahn verlasse.

»Warum habe ich eigentlich kein Fahrrad genommen?« denke ich, »wäre gesünder und ich hätte nichts von diesem Gestank in der U-Bahn!«".

Bevor ich die Arbeitsräume betrete, trinke ich am besten noch einen Espresso, Lust zu arbeiten habe ich eh keine. Wahrscheinlich bin ich wieder der erste und ärgere mich, daß ich schon so früh aufgestanden bin.

Endlich, mein Schreibtisch. Erst mal schauen, ob mir einer geschrieben hat. Nein! Naja, Kaffee holen und eine Zigarette rauchen. Ist ja eh noch keiner da.

Gegen 10 Uhr kommen die ersten. Ich sitze am Computer und surfe. Habe noch keine Lust eine Zeile zu programmieren. Internetsoftware ist im Prinzip nicht wirklich spannend. Ein paar Zeilen Code, eine HTML-Seite und ein paar Werbebanner und der Surfer ist zufrieden. Und alles, naja, wie sagt man so schön seit ein paar Jahren, virtuell. Eigentlich nicht wirklich zum Anfassen. Aber viel Ärger macht es auch. Entweder stimmt die Anzeige in einem Browser nicht und keiner versteht warum, oder der Code macht doch nicht das, was der Programmierer sich gedacht hat oder beides. Und wenn es dann stimmt, kommt ein Kunde, dem dies überhaupt nicht gefällt und meckert.

Gerade, wenn ich ganz tief in den Zeilen versunken bin, ruft die Bannerabteilung an und möchte das ein Banner auch funktionieren soll. Schliesslich ist die Werbung von einer renommierten Firma gemacht worden und jetzt ist das Banner heilig. Also muss das Script warten.

»Kann das auch bis nach dem Mittag warten?« - »Ja, die Kampagne läuft eh erst nächste Woche, ich wollte halt sicher sein.«

Das Mittagessen war auch wieder mal zu teuer. Aber gut! Noch einen Espresso getrunken und dann etwas müde und satt in den Bürostuhl.

Banner läuft nach fünf Minuten. Am Nachmittag nicht mehr viel gemacht. Das Script läuft schliesslich auch und muss dann anständig getestet werden.

Bald darauf ist dann auch schon Feierabend. Wie fast jeden Tag gehe ich dann in mein Lieblingscafe und trinke noch einen doppelten Espresso. Meistens müssen dann die Gala und die Bunte als Zeitschriften daran glauben, manchmal nehme ich auch ein Buch mit und lese. Irgendwann gehe ich dann zur U-Bahn und fahre nach Hause.

Wenn ich zu Hause noch Lust habe, setze ich mich an meinen Computer und programmiere für mich selbst Dinge, nur so aus Spass oder lese weiter.

Später, meist zu spät, gehe ich ins Bett.

Und um sieben Uhr am nächsten Tag klingelt dann mein Wecker...

14.05.2003

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